Die Sage vom „Esel, der auf Rosen geht“
Jede Stadt hat ein Wahrzeichen, manchmal auch zwei oder drei. Ein Wahrzeichen der Stadt Halle ist ein Esel, der auf Rosen geht. Das Eselbild, in Stein gehauen, befindet sich an einem Turm an der Ostseite der Marktkirche. Außerdem steht es als Brunnenfigur auf dem Alten Markt.
Ein Mann führt seinen Esel. Dieser trägt zwei Säcke auf dem Rücken. Er läuft über einen mit Blumen bestreuten Weg. Was bedeutet das? Heute sagt man: Ein Salzknecht führt seinen Esel mit Salzsäcken. Das ist das Sinnbild für den Fleiß der Salzsieder. Die Salzsieder haben Halle groß und reich gemacht. Sie dürfen auf Rosen gehen.
- Aber die Sage weiß es anders -
Einmal wollte Kaiser Otto die Stadt Halle besuchen. Die Straßen, auf denen der Kaiser kommen sollte, waren mit Blumen bestreut. Das machte man früher so, wenn der
Fürst, der König oder sogar der Kaiser kam. Es war eine Ehrung für den vornehmen Gast. Aber an diesem Tage hatte die Saale Hochwasser. Der Kaiser musste einen anderen Weg zum Marktplatz nehmen. Da kam ein Müllerbursche mit seinem Esel. Er ging über die Blumen. Am Straßenrand standen viele Bürger, die wollten den Kaiser sehen. Nun lachten sie über den Esel, der auf Rosen ging.